Internetsucht

Auf einen Blick: Formen, Symptome, Folgen, Diagnose, Ausweg

1. Formen

Eine Internetsucht passt sich an die Bedürfnisse eines Süchtigen an. Dementsprechend variiert der konkrete Inhalt.
Gamingsucht

Computerspielsucht:

Die am meisten verbreitete Form betrifft das Spielen. Computerspiele sogen für interaktive Ablenkung von der Realität. Mögliche Gründe sind die Vermeidung von gedanklicher Auseinandersetzung oder traumatische Erlebnisse.

Social Media Sucht

Social-Media-Sucht:

Die Sucht nach Foren sowie anderen sozialen Netzwerken betrifft zumeist Frauen. Sie entspringt dem Verlangen nach Anerkennung, Zweisamkeit und allgemeiner Alternativlosigkeit.

Streamingsucht

Streamingsucht:

Am meisten unterschätzt wird die Abhängigkeit von unaufwändiger Befriedigung durch Filme und Serien. Die Sucht nach Pornos bietet einen Reiz der besonderen Art.

2. Symptome

Symptom

Permanente Beschäftigung:

Beschäftigt sich der Betroffene nahezu ausschließlich mit Inhalten des Internets, deutet dies auf eine Sucht hin. Alternative Beschäftigungen verlieren an Wert, sodass die digitale Beschäftigung dominiert.

Symptom

Negative Konsequenzen:

Treten Folgen auf, die den Alltag betreffen, sollten alle Alarmglocken läuten. Besonders dann, wenn diese ignoriert oder einfach hingenommen werden. Dieses deutet auf einen Rückzug aus der echten Welt.

3. Folgen

Neben den schnell offensichtlichen Folgen, gibt es langfristige Konsequenzen, welche wesentlich drastischer sind.
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Rückzug aus dem echten Leben

Je länger jemand internetsüchtig ist, desto gravierender leidet das echte Leben. Kinder und Jugendliche vernachlässigen die Schule. Erwachsene die Arbeit. Es folgt eine schlechtere Bildung sowie geringe finanzielle Mittel. Des Weiteren vernachlässigen Betroffene soziale Kontakte, Verpflichtungen und sich selbet.

Entwicklung von Zweitstörungen

Die meisten Betroffenen weisen eine weitere Persönlichkeitsstörung auf, zum Beispiel Depression, Ängstlichkeit und Drogenmissbrauch. Zum einen können diese ein Bedingungsfaktor für die Internetsucht und zum anderen eine Folge sein.

4. Fallbeispiele

Wenn wir an Internetsucht denken, stellen sich viele jemanden völlig verwahrlosten dar, welche in unaufgeräumten Räumen lebt, wo es bereits schimmelt. Doch dieses Klischee trifft auf die Wenigsten zu. Jeder hat eine individuelle Geschichte. Meist eine Geschichte des Leidens.

Fallbeispiel 1:

Carla war 13 Jahre alt, als sie ihr Handy bekam. Da sie auf dem Land lebte, freute sie sich nun endlich mit ihren Freunden Kontakt haben zu können. Ihr wurde das Smartphone wichtiger und wichtiger. Bei jedem Klingeln schaute sie umgehend nach und antwortete. Schon im Bett beantwortete sie die ersten Nachrichten, um nicht als unzuverlässig zu gelten. Sogar ihren Freund lernte sie in einem Forum kennen. Sie trafen sich einige, wenige Male, bis er urplötzlich Schluss machte. Carla flüchtete sich mit 17 Jahren in die digitale Welt, ging kaum noch raus und verlor die Lust am Leben.

Fallbeispiel 2:

Max spielte bereits als Teenager mit seinem Vater an der Konsole gemeinsam Fußball. Als er nach dem Abitur und einem Jahr im Ausland auszog, begann er eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Mit 24 Jahren musste er bereits ein Jahr wiederholen, da er, obwohl er gut gelernt hatte, durch die Prüfung fiel. Ganz anders waren seine Erlebnisse, als er begann EGO-Shooter zu spielen. Schnell machte Fortschritte, vernetzte sich mit anderen Spielern und kam in ein E-Sport-Team. Seinem Traum einer Gaming-Karriere nachjagend, brach er seine Ausbildung ab und finanzierte sich über zwei Minijobs. Als er mit 32 seine Freundin kennenlernte, begab er sich in Therapie, wurde oft rückfällig und lebt inzwischen vier Jahre suchtfrei.

Computersucht

5. Diagnose

Ob es sich um eine Sucht handelt, wird anhand eines klinischen Leitfadens bewertet. Es folgen drei exemplarische Kriterien.

1. Kontrollverlust

Der Internetnutzer kann sein eigenes Verhalten kaum oder gar nicht kontrollieren. Absprachen schlagen fehlen und Unzuverlässigkeit sprechen für eine kritische Nutzung.

2. Leugnung des Problems

Verheimlicht der Betroffene das Problem oder leugnet dies sogar, spricht dies für einen pathologischen Gebrauch.

3. Keine Emotionskontrolle

Können Emotionen kaum oder gar nicht mehr reguliert werden, handelt es sich um eine Überreizung. Dies äußert sich auch durch die fehlerhafte Einschätzung von sozialen Situationen.

6. Ausweg

Bei der Internetabhängigkeit handelt es sich um eine anerkannte Krankheit. Somit können kassenärztliche Interventionen durchgeführt werden. Hausärzte nehmen dieses Thema sehr ernst und können als erste Anlaufstelle dienen.
Ade Avatar: Schritte in die Freiheit (Buch)

Bücher als Unterstützung:

Ade Avatar zeigt Wege aus der Sucht und steht für die Wiederkehr in der Wirklichkeit.

Betroffene gelangen mithilfe von diesem Buch zu einem Verständnis über die Sucht, welches auch Angehörige vermitteln können. Der „Drei-Schritt-Leitfaden“ führt mit Strategien und Techniken aus der Sucht.

Beratung

Gern begleite ich Sie, ob Betroffener oder Angehöriger in Ihrer aktuellen Situation. In regelmäßigen Abständen sprechen wir über den Fortschritt und die nächsten Schritte.

Beratung
Psychologische und klinische Intervention

Bei einer sehr schweren Abhängigkeit ist eine Psychotherapie vor Ort nicht zu umgehen. Des Weiteren sollte auch eine klinische Intervention in Betracht gezogen werden, falls der Betroffene vor sich selbst geschützt werden muss.

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